Als ich 2021 über meinen Freund Migo den Weg in den Falcone-Club fand, sich aber noch keine Guzzi in meinem Besitz befand, stellte sich die Frage, welches Modell mir wohl besonders gefällt.
Schnell war klar, die Stornello 125 Scrambler hatte es mir angetan. Liegt wohl daran, dass ich immer schon ein Interesse an Enduros hatte und mein erstes Motorrad eine Yamaha DT175 war. Eine Zeitlang war dann auch Motocross mein Hobby, wobei man in jungen Jahren ohne Sponsoren aber schnell an seine Grenzen kommt.
Also ging die Suche los, Internet durchforstet, aber nichts Passendes gefunden. Alternativen gesucht und auf eine Stornello 160 gestoßen, machte einen guten Eindruck, um ohne eine Restaurierung zum Fahren zu kommen. Nach Rücksprache mit Migo stellte sich schnell heraus, dass der Verkäufer unser Alex in Mudau war! Man war sich schnell einig und die Fahrt nach Mudau wurde mit einem Wochenende in Heidelberg verbunden, der Kauf musste ja gefeiert werden, Prost!
Nach der ersten Begutachtung zu Hause wurde dann eine Liste erstellt, welche Arbeiten nötig waren. Unter anderem natürlich ein Öl-wechsel, leicht gesagt, welches Öl nehm‘ ich denn?
In der Originalanleitung stand Shell X 100 SAE 30 und Shell X 100 SAE 40. Die gibt es aber nicht mehr. Jetzt wurde es etwas komplizierter. Öle gibt es in unüberschaubaren Mengen, Normen, Freigaben, Empfehlungen usw.
Als KFZ-Meister mit 40 Jahren Werkstatterfahrung im PKW-Bereich gehört das Thema Öl zum täglichen Geschäft, aber Zweiräder / Oldtimer sind da schon ein wenig anders. Nach ein bisschen Recherche wurde schnell klar, das Öl gibt es nicht, also musste was her, was dem Perfekten ziemlich nahe kommt.
Worauf sollte man achten? #
- Besitzt der Motor einen Ölfilter im Hauptölstrom, so wie es heute bei fast allen Motoren der Standard ist, dann sollte Öl verwendet werden, was in der Lage ist Schmutzpartikel in der Schwebe zu halten, um sie im Ölfilter abzuscheiden. Ab der Ölspezifikation API SF, etwa Mitte der 1970er Jahre, erhielten die Öle zunehmend Wirkstoffe (sog. Additive) mit Schmutztrageeigenschaften. Hat der Motor keinen Ölfilter im Hauptstrom, würden die Schmutzpartikel wie Schmirgel wirken und den Verschleiß erhöhen und feine Ölkanäle verstopfen. Bei den Motoren ohne Ölfilter setzt sich der Schmutz im Ölsumpf ab und wird dann mit dem Ölwechsel entfernt. Motoröle bis API SF waren für Motoren ohne Feinfilterpatrone im Motorölkreislauf konzipiert.
- Werden Motor und Getriebe mit dem gleichen Öl versorgt und besitzt der Motor eine Nasskupplung? Dann sollte auf die Hochtemperatur-Scherfestigkeit geachtet werden. Leichtlauföle sind hier ziemlich ungeeignet. Das trifft auch auf Motoren mit Wälzlager zu. Je niedriger additiviert oder niedriger legiert das Motoröl ist, desto unproblematischer verhalten sich die Nasskupplungen. Je mehr Verschleißschutzanteil und Reibwertverbesserer im Öl sind, desto eher tritt ein Kupplungsrutschen ein.
Was bedeuten die Angaben über das Motoröl? #
SAE Klassifikation
SAE steht für „Society of Automotive Engineers“. Bei Motorölen erfolgt die Klassifikation der Viskosität durch Einstufung in international genormte SAE-Klassen. Die Zahl beschreibt die Viskosität des Schmierstoffs bei 100 Grad Celsius. Je höher der Wert ist, umso besser wird die Schmierfähigkeit des Motoröls bei hohen Temperaturen im Motor erhalten. Werden zwei Zahlen genannt, bezieht sich die erste Zahl auf die Fließeigenschaften im kalten Zustand des Öls. Ein 5W40er Öl hat also bei 100 Grad die Viskosität eines 40ziger Grundöles und im kalten Zustand die Viskosität eines 5er Grundöles. Diese Angaben sagen aber nichts über die Qualität eines Öles aus.


Die API-Klassifikation
Die API-Klassen geben Aufschluss über die amerikanischen Anforderungen und Qualitätskriterien, die ein Motorenöl erfüllt. Der erste Kennbuchstabe verweist auf den Motortyp: „S“ (Service Station) steht für Otto-Motoren. „C“ (Commercial) gilt für Nutzfahrzeug-Dieselmotoren. Pkw-Dieselmotoren werden über API nicht separat klassifiziert. Die Leistungsunterschiede zwischen verschiedenen Motorölen lassen sich am zweiten Kennbuchstaben ablesen. So wird bei Motorölen für Ottomotoren von „SA“ für unlegierte Mineralöle bis „SP“, der derzeit höchsten Leistungsklasse, unterschieden. Die höchste Leistungsklasse für Diesel-Motorenöle ist derzeit „CK-4“. Hier werden dann schon Qualitäts-unterschiede sichtbar.

ACEA-Spezifikation
Bis 1983 dienten fast ausschließlich die API-Klassifikationen und die MIL-L-Spezifikationen (amerikanische Militärspezifikation) als Qualitätsmaßstab bzw. -einstufung für Motorenöle. Nachdem diese hauptsächlich auf die Anforderungen der amerikanischen Motoren und Fahrbedingungen abgestimmt sind, wurde für die anspruchsvolleren europäischen Motoren und Fahrbedingungen die CCMC-Spezifikation (Committee of Common Market Automobile Constructors) geschaffen. Diese beinhaltete, neben den Anforderungen von API und MIL, auch europäische Prüfmotor-Verfahren und Fahrzyklen. 1996 wurde CCMC durch die weiterentwickelten ACEA-Spezifikationen (Association des Constructeurs Européens d’Automobiles) ersetzt.
Bei der ACEA-Klassifikation werden die unterschiedlichen Einsatzzwecke der Motorenöle durch Buchstaben und Ziffern definiert:
A = Pkw-Ottomotoren
B = Dieselmotoren in Pkw, Vans und Kleintransportern
C = Pkw-Otto und -Dieselmotoren mit neuen Abgasnachbehandlungs-systemen
E = Lkw-Dieselmotoren
Motoröle für Pkw-Anwendungen werden grundsätzlich kombiniert für Otto- und Dieselmotoren gekennzeichnet (z.B. ACEA A3/B4 oder ACEA C3). Die nachfolgende Zahl differenziert innerhalb einer Klasse den Leistungsunterschied der verschiedenen Motorenöle. So erfüllt z.B. ein Öl gemäß ACEA A3/B3 höhere Anforderungen als ein A1/B1-Motorenöl.
Damit aber nicht genug. Fast jeder Hersteller hat dann nochmal eigene Hersteller-Spezifikationen, die dann auf den Ölgebinden teilweise aufgeführt werden.
Aber zurück zur Ölsuche. Interessante Informationen fand ich auf der Seite von Nippon Classic unter der Rubrik Ratgeber / Motoröl-Berater. Eine weitere interessante Adresse ist die Firma Wagner Schmierstoffe, die sich auf klassische Fahrzeuge spezialisiert hat. Hier gibt es die Möglichkeit einer Ölberatung. Auch die Stellungnahme zu einem Öltest in einer Autozeitung fand ich sehr interessant.
Fazit: Das perfekte Öl gibt es nicht! Es gibt aber Faktoren die beachtet werden sollten, um sich dem anzunähern. Ungeeignetes Öl macht sich ja leider nicht gleich bemerkbar und Fehler am Motor kann natürlich auch das beste Öl nicht ausgleichen. In dem Sinne, viel Spaß bei der Ölsuche.
Peter Gieraths