Moto Guzzi GTS 350 4-Zylinder

Die etwas anderen Guzzi’s

Rennversion

2010 war es soweit, es musste was Neues für die Rennstrecke her.

Natürliche ’ne Guzzi, aber keine V2 und keine 1-Zylinder (habe ja die Lodola). Es sollte was anderes und seltenes sein.

Die V8 – ooooch nöööö – zu viele Zündkerzen, die Hälfte reicht.

In der Motalia habe ich dann die 350er 4-Zylinder gefunden. Zwei Telefonate und fünf Tage später war sie bei mir.


Dann ging’s ans Umbauen; sie sollte einer 500er Benelli ähneln. Es war auch klar: sie ist breit und schwer und sie hat keinen Dampf gegenüber 500er Laverda’s, 500er Yamaha’s usw. die in meiner Klasse fahren.

Aber egal – Hauptsache „Guzzi“ und „selten“.

Kanäle wurden aufgemacht und größere Ventile eingebaut, die Kontaktzündung durch eine Witt-Zündung ersetzt und die Lichtmaschine abgebaut. 20er gegen 22er Vergaserbatterie getauscht (aus 4 verschiedenen Batterien die 4 Besten zusammengestellt). Verkleidung und Auspuffrohre hab ich in den neuen Bundesländern bekommen und wurden entsprechend geändert (die waren nach der Wende scharf auf 500er Benellis). Die meisten Teile hab ich bei Benelli-Bauer gekauft (Benelli und Guzzi sind bei diesem Modell baugleich). Dort habe ich auch mittlerweile 3 sogenannte Schlachtmotorräder als Teileträger erworben. Stahlflex-Bremsschläuche wurden von Stein Dinse angefertigt. Ölkühler und Lenkungsdämpfer angebaut. Die dickeren Krümmerrohre sind von einer 900er Benelli. Fußrastenanlage und Höcker sind Eigenbau. An dem GFK-Tank die Halterungen geändert, Kupplungshebel und -halterung habe ich auch selbst gebaut (da sie normalerweise am Kupplungsdeckel montiert sind). Später wurde der mechanische Original-Drehzahlmesser durch einen Kröber-Drehzahlmesser ersetzt. Dabei wurde auch ein Ein-/Ausschalter angebracht. Desweiteren habe ich mir drei verschiedene Kettenblätter (Übersetzung) anfertigen lassen. Die Motorentlüftung wurde geändert. Die vordere Gabel wurde überarbeitet und härter abgestimmt. Auch wurde ein Kurzgasgriff montiert.


Mit den Jahren wurden noch sooooo viele Teile geändert oder angepasst, das würde den Rahmen hier sprengen.

Sie hat einen saugeilen Sound und dreht über 10.000. Mittlerweile habe ich mich auch dran gewöhnt, nach dem Rennen 4 Zündkerzen, 8 Ventile und 4 Vergaser zu kontrollieren.

Okay, ich wollte es ja so, immer noch besser als 8 ;-))

Straßenversion

Vor ein paar Jahren wurde bei meiner Frau MS diagnostiziert, eine Welt brach für uns zusammen. Gemeinsames Motorradfahren aufgeben kam für uns nicht in Frage, dafür haben wir beide zuviel Spaß dabei. Auf unserer 1100 iE ging es nicht mehr (knallhartes Fahrwerk und sehr sportliche Sitzhaltung). Was nun?

Okay, da muss was anderes her.

Da ich zu diesem Zeitpunkt durch meine 350er 4-Zy-linder-Rennmaschine sehr viele Teile hatte (z.B. 4 Motoren), beschlossen wir uns bei Benelli-Bauer noch einen Teileträger zu kaufen und damit eine Straßenmaschine aufzubauen. Ziel war es, ein modernes, ein originales und ein eigenes Design mit offenen Vergasern und 4 Auspuffrohren zu kombinieren.

Dann ging es los: Der Rahmen kam von einer 350er Guzzi, die Räder und Gabel von einer 500er Benelli. Ein Ersatzmotor meiner Rennmaschine mit größeren Ventilen, aufgemachten Kanälen und Witt-Zündung wurde eingebaut, die 20er Vergaserbatterie durch eine 22er ersetzt. Die Auspuffanlage 4 in 4 kam von Benelli-Bauer und die schwarz umhüllten Stahlflexleitungen auch. Die Räder wurden neu gelagert und die Gabel überholt. Beim Hinterrad (Bremsanlage) handelt es sich um ein sogenanntes Bremsintegralsystem, wie es Guzzi und Benelli oft verbaut hatten. Dies wurde auch geändert, aber die große Bremszange habe ich gelassen (hat was). Der Lenker wurde von LSL, Rücklicht, Blinker, Stoßdämpfer, Luftfilter, Spiegel, hintere Fußrasten aus dem Zubehörhandel besorgt. Die Sitzbank habe ich mir anfertigen lassen. Den kleinen Gepäckträger habe ich einer 80er Yamaha geklaut.

Einer meiner Teileträger war gold-schwarz lackiert (wie damals das John Player-Design). Das gefiel mir gut – war mal was anderes. Ich habe lange experimentiert, um gewisse Lackteile mit einer „Patina“ zu versehen, sie sollte ja nicht „nagelneu“ aussehen. Lange habe ich überlegt, ihr einen Namen zu geben. Dann hatte ich die Idee: Gold-schwarz also „Oro-nero“. Alles wurde bei mehrmaligen Terminen mit dem TÜV abgestimmt und zum Schluß auch so abgenommen.

Es gibt noch sooo viele Kleinigkeiten, die ich gar nicht mehr alle zusammen bekomme. Es ist ein schöner Ausgleich zu meiner Rennerei. Und nun können wir wieder zusammen gemütliche Ausfahrten machen. Meine Frau liebt das Motorrad. Das war das Ziel und bestaunt wird das Motorrad auch. Das ist ne Guzzi?????….JA

…. und weil ich an so etwas meinen Spaß habe, habe ich noch einen kleinen Gag angebracht: Viele sehen es nicht ;-))

Ich hoffe, ich habe die Einzylinderfraktion im Falconeclub nicht bis ins Tiefste erschüttert.               Wuschel