Das Thema Kerzengewinde möchte ich hier noch mal angehen.
Kerzengewinde reissen nicht einfach so aus, die werden meist durch schief Ansetzen und gewaltsam Eindrehen beschädigt oder zu fest angezogen. Kaum einer hat mal geprüft, wenn eine Kerze festgezogen wurde, wie fest angezogen wurde. Das Anzugsmoment sollte bei einer 14 mm Kerze 20-30 Nm betragen. Prüft das mal!

Ich setze eine „neue“ Kerze mit etwas Kupferpaste ein, drehe mit dem Steckschlüssel ohne Hebel/Knebel bis sie ganz drinnen ist, und ziehe dann etwas fester an, so um 40 Nm, da setzt sich der neue Dichtring ggf. etwas, dann wieder lösen, und mit ca. 25 Nm wieder festziehen. 25 Nm ist nicht viel, das dreht man so aus dem Handgelenk raus und ist völlig ausreichend!
Wenn es denn nun mal passiert ist, dann sollte man vorsichtig ran gehen! Am besten den Zylinderkopf abbauen. Bei einigen Motorrädern muss dafür aber der Motor ausgebaut werden.
Ich habe das bei Perscheid sehr oft ambulant gemacht, also bei montiertem Kopf. Das erfordert einiges an Geschick, z.B. frei Hand bohren im Winkel von 90 Grad zur Dichtfläche.
Ein Adapter mit Bund aus Stahl wird sich meist wieder lösen und mit der Kerze wieder raus gedreht, bedingt durch die Unterschiedliche Ausdehnung der Materialien. Ein Stahladapter im Alu-Kopf ist kalt fest und bei 250 Grad lose. Und die 250°C hat‘s an der Stelle auch.
Es gibt bessere Systeme. Eines davon will ich hier näher erläutern: TIME-SERT.

Bei diesem System wird nichts gebohrt, sondern mit einem zweistufigen Gewindebohrer ein neues Gewinde geschnitten. Die erste Stufe hat M14x1.25 und führt sich in der alten Bohrung bzw. in dem Rest was noch da ist, wodurch eine Schiefstellung vermieden wird! Die zweite Stufe schneidet das Gewinde, in das die Büchse eingedreht wird.

Der Gewindebohrer wird etwas tiefer eingedreht (ca. 3 mm) als die Dichtfläche der Kerze und bleibt erst mal so stecken. Jetzt wird ein zweistufiger Stirnfräser über den Schaft des Gewindebohrers geschoben, und von Hand zunächst eine Ansenkung für den Bund der Reparatur-Büchse als Tiefenbegrenzung gefräst, und abschließen mit der Stufe 2 die Dichtfläche sauber und winkelig zur Bohrung nachgearbeitet.,

Letzter Arbeitsgang: die Reparatur-Büchse wird eingedreht. Die Büchse hat als Innengewinde z.B. M14x1,25. Die unteren 3 bis 4 Gewindegänge sind nicht vollständig, diese werden durch das Ein- und Durchdrehen des Werkzeugs gedrückt und pressen die Büchse im Kopf fest.
Wichtig ist, daß dafür die Ventile zu sind und der Kolben etwas vor oder nach OT steht. Das Werkzeug muss gut geölt werden, da eine Kaltverformung stattfindet.
Die Büchse schließt sauber mit dem Brennraum ab und sitzt perfekt, ich habe noch nie gesehen, daß ein Time-Sert Einsatz sich gelöst hat. Dorn raus und auspusten fertig.


Das Set ist nicht ganz billig, daher biete ich Clubmitgliedern an, das Set für M 14×1,25 kurz und Langewinde auszuleihen. Die Kosten belaufen sich auf z.Z. 15 € pro Büchse plus Porto hin und retour. M 12×1,25 kurz und lang steht auch zur Verfügung.
Noch einmal: es wird bei der Kerzengewinde-Reparatur nichts aus- oder aufgebohrt!

Mir ist bekannt, daß es eine Menge andere Möglichkeiten gibt, z.B. HELICOIL und andere. Ich habe aber mit TIME-SERT die besten Erfahrungen gemacht. Leider bestimmt Würth heute den Preis. Wenn irgendein Einsatz wieder raus geflogen ist sollte der Fachmann ran!
Hier ein Video der Firma Würth:
Wolfgang Kamradt, November 2025