Was Lacoste‑t eine Guzzi Falcone?

Die Idee zu diesem Text kam mir spontan. Giovanni schickte ein Foto eines MV Agusta Vintage Racing Bikes, das angeblich für schlappe 967.000 £ verkauft wurde. Vielleicht ein Geburtstagsgeschenk für den Scheich‑Sohn, der schon alles hat. Gleichzeitig versucht ein guter Freund die drei Guzzis seines Vaters zu verkaufen – und findet keinen Käufer zu dem Preis, den er sich vorstellt. Und dann bin da noch ich, der sich für 12.000 € eine Falcone Baujahr 1950 in Slowenien gekauft hat und nun Schritt für Schritt merkt, dass diese „fast perfekt aussehende“ Maschine doch mehr Aufmerksamkeit braucht als gedacht. Herr Majerus, Sie haben doch sicher noch etwas Taschengeld übrig?

Also stellt sich die Frage: Was ist es uns wert, eine alte Guzzi zu besitzen und zu fahren? Ausstellen kann man vieles, das rot ist und glänzt. Fahren muss es nicht. Ich gehöre zur anderen Fraktion: Die Maschine soll laufen – so gut man das eben 76 Jahre nach ihrer Geburt erwarten kann.

Ist ein Vintage‑Bike ein gutes Investment? Vielleicht bei einer MV Agusta. Bei Oldtimer‑Autos scheint es zu funktionieren: selten, original, perfekt restauriert – und dann bitte nicht mehr bewegen. Passt das auf unsere Guzzis? Ich glaube eher nicht. Also was treibt uns dann an, unser Geld in alte Technik zu stecken?

Mein Vater, ein begnadeter Mechaniker, hat seinen beiden Söhnen eine Guzzi S von 1935 hinterlassen, selbst restauriert mit dem, was damals verfügbar war. Der Farbton stimmt nicht ganz, und auch die Marmita ist vielleicht nicht original – aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mein Bruder schenkte mir seine Hälfte, denn längs durchschneiden wollten wir sie nicht. Im Internet sieht man Preise von 15.000 bis 18.000 €. Aber Internetpreise sind geduldig. Verkaufen würde ich sie ohnehin nie. Ihr Wert ist ein anderer.

Lady Sophia nach 25 Jahren Stillstand wieder zum Laufen zu bringen, kostete ein gutes Essen für meinen Schwager, ein paar Bier für den lieben Jules und einen fairen Preis für unseren Club‑Mechaniker. Sie läuft gut, verliert weniger Öl als früher und ist im Moment keinProblemkind. Aber niemand wird mir heute dafür 15.000 € geben – und das ist auch in Ordnung.

Die Falcone ist eine andere Nummer. Ich wollte ein moderneres, zuverlässigeres Motorrad, möglichst ohne ständiges Schrauben. Nuovo Falcones gibt es genug, aber ich mag die Alten lieber. Also: Falcone Sport. Im Internet gefunden, 12.000 €, ein sympathischer Verkäufer namens Igor, viele WhatsApp‑Nachrichten, Google Translate. Probefahrt: laut, kräftig, herrlich. Viel zu teuer, ich brauche sie nicht, sie glänzt, ich muss sie haben – also habe ich sie gekauft und Donna Carla nach Luxemburg geholt:

Der Import war fast lächerlich günstig, die historische Zulassung schnell erledigt. Die ersten Ausfahrten waren großartig. Jules staunt, wie flott die Falcone ist, die Harley‑Fahrer erblassen, der Auspuff macht Lärm ohne Ende.

Doch beim Frühjahrstreffen dann das Aus: keine Kompression mehr.

Spätestens hier wird klar: Ein Vintage‑Bike ohne Schrauberkenntnisse ist keine gute Idee – oder ein sehr teures Hobby. Diagnose: Ventil kaputt, neue Kolbenringe nötig, Vergaser aufgebohrt, Teile fehlen. Und schon beginnt sie, die Suche nach Ersatzteilen für ein 75 Jahre altes Motorrad. Ebay.it wird zum täglichen Begleiter, mein Italienisch besser, die Preise schmerzhafter. Manche Teile scheinen aus Unauffindbarium zu bestehen. Ein einzelner Vergaser für 550 €? Mamma mia.

Zum Glück gibt es Migo, Wolfgang, Michael und Jules. Es wird gedreht, probiert, improvisiert. Manches funktioniert, manches nicht. Schrauben lösen sich, neue Teile werden gesucht, der Wunsch nach Seelenfrieden wächst. Dijon steht vor der Tür, Mandello auch – und man fragt sich, was sich als Nächstes verabschiedet.

Viele Kleinteile bekommt man heute problemlos – aber nicht einzeln. Schrauben, Federn, Bowdenzüge: alles im Mehrfachpack und nie günstig, dazu hohe Portokosten nach Luxemburg. Meine Kleinteilekisten füllen sich. Wie mein Vater das früher ohne Internet gemacht hat, bleibt mir ein Rätsel.

Nach all dem bleibt nur ein Fazit: Eine alte Guzzi am Leben zu erhalten hat keinen Preis. Man ist verliebt – hoffentlich nicht so sehr, dass man die Sicherheit vergisst. Gute Bremszüge, vernünftiges Licht, solide Technik. Wenn etwas kaputtgeht, wird es repariert oder man fährt nicht. Carlos Garantie ist lange abgelaufen.

Der Weg ist das Ziel. Die Freude am Schrauben, am gemeinsamen Fluchen und Gelingen, in der Hoffnung, bei der nächsten Ausfahrt ohne Panne anzukommen. Und ohne den Falcone‑Club wäre das alles nicht möglich. 25 € Jahresbeitrag für geballte Erfahrung – ein Witz.

Besonderer Dank an Michael, Wolfgang, Migo und Jules. Und die Freundschaft? Die bleibt unbezahlbar.

Georges

PS: Es ist gut wenn man mehrere Bowdenzüge kauft. Frei nach dem Motto: Dreimal abgeschnitten immer noch zu kurz.

Bilder und Text: Georges Majerus.
Der Text ist gekürzt. Den kompletten Artikel könnt Ihr in der nächsten Ausgabe der Falcone-Post lesen.